Der Keller Richtung Norden 

Die mittelalterliche Unterkirche von Schloss Bürgeln

Im nordöstlichen Kellerbereich fällt in verschiedenen Räumen ein flaches Kreuzgratgewölbe auf. Nachdem der Putz in der linken Ecksituation von den vorkragenden Mauerteilen entfernt wurde, kamen Buntsandsteinblöcke zum Vorschein.

Kellerwand      Pfeilerbasis

Nachdem im hinteren Raum dieselbe Steintextur festgestellt wurde, konnte man sicher sein, dass der Pfeiler und damit auch Teile des Gewölbes, von drei Ziegelsteinmauern jüngeren Datums eingemauert sind.

Der Boden, bedeckt von einer dünnen Betonschicht, wurde aufgemeißelt und zum Vorschein kam eine Basis, die teilweise auf Felsgrund, teilweise auf gepflastertem Boden ruht.

Der Stützpfeiler unter dem Kreuzgratgewölbe 

Die Mauern wurden entfernt, so dass sich der Stützpfeiler mit dem sich nach oben entfaltenden Kreuzgratgewölbe (fast) in alter Pracht präsentiert.

Das Kapitell weist eine Hohlkehle auf. Die Basiskanten sind abgeschrägt. Dokumenten zu Folge könnte es sich hier um die erste Kirche von Bürgeln handeln, die etwa um die Zeit um 1100 erbaut wurde.

Es handelt sich um einen Einstützraum, ähnlich der um 1008 erbauten Krypta von St. Cyriak in Sulzburg

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Modell der Kirche 

Modell
In dieser Form könnte sich die Kirche präsentiert haben. Links vorne der freigelegte Stützpfeiler und rechts der Altar. Die Lichtschlitze sind heute ebenfalls vorhanden. Wahrscheinlich war das Erdniveau um einiges tiefer gelegen. Nachdem aber 1136 eine zweite Kirche auf Bürgeln geweiht wurde, hat man wohl die erste Kirche als Unterkirche oder Krypta genutzt. Das Erdniveau nahm an Höhe zu.
Ein weiteres Baudatum wäre ebenfalls denkbar: 1267 brannte die Kirche “bis auf die Grundmauern” ab und wurde bald darauf neu erbaut und 1277 geweiht. Ob die Flammen auch die Unterkirche (vielleicht nur das Gewölbe) erreichten, ist nicht gewiss.

Kreuzgratgewölbe 

Schema des Kreuzgratgewölbes

Erste Kirche 

Modell der Unterkirche mit der Treppe

Bis auf den Zugangsbereich ist die Kirche von Grundmauern umgeben. Die Treppe würde heute in den inneren Schlosshof führen, wo sich früher der Friedhof befand. Wahrscheinlich betrat man die Kirche in der Sakristei. Baulich ist diese Situation heute noch nachzuvollziehen.

Unterkirche-Oberkirche 

Modell von Unter- und Oberkirche

Die 1136 geweihte Kirche hat man über der Unterkirche errichtet. Der 1701 abgetragene Kirchturm muss sich über der Nordkapelle erhoben haben, da ihm drei Grundmauern (im Osten, Norden und Westen) als Fundament dienten.

Erst im Jahre 1762-64 wurde die Propstei (nach 1267-77) erneut über den Grundmauern errichtet. Damals hat man die Propsteikapelle verkleinert. An die Stelle des Chors hat man eine Küche eingerichtet. In einem Dokument von 1781 ist die Rede von einer “nicht leicht zu findenden Treppe, die in den Keller führt.” Hier dürfte es sich um die besagte Treppe in die Unterkirche handeln, die demnach als solche nicht mehr genutzt wurde. Das kann man heute noch nachvollziehen, wenn man vom Küchenflur in den Innenhof tritt.

Kontakt: schlossbuergeln@gmx.de  Dr. Ehrenfried Kluckert Schloss Bürgeln D-79418 Schliengen
Tel.: + 49 (0) 162 407 17 60, +49 (0) 7626 237